Auf Luthers Spuren in Bad Schmiedeberg

Mit den 95 Thesen, die Martin Luther am 31. Oktober 1517 an das Tor der Wittenberger Schlosskirche schlug, begann die Reformation und verbreitete sich in ganz Europa. Wie alle Jahre Anlass genug für zahlreiche Feierlichkeiten in und um Wittenberg. Das Eisenmoorbad lädt traditionellerweise zum festlichen Tafeln mit Luther und seiner Frau. Aber was ist dran an dieser Geschichte? War Luther überhaupt jemals in Bad Schmiedeberg?

Sicher ist: Ein Verwöhnprogramm wie den Reformationsgästen heutzutage – mit Honig-Massage, Heublumensack und Bierbad – war Luther in Bad Schmiedeberg nicht vergönnt. Schließlich nahm die Kurgeschichte des Eisenmoorbades erst lange nach dessen Zeit ihren Anfang. Die Reformation aber wurde in Bad Schmiedeberg im Januar 1522 eingeführt – durch den damaligen Pfarrer Nikolaus Heynack. Aber nicht nur damit erregte er den Ärger des Meißner Bischofs Johann VII. Der Luther-Anhänger ehelichte zudem seine Köchin, wodurch der katholische Würdenträger endgültig auf den Plan gerufen war. Noch im selben Frühling stattete er Bad Schmiedeberg bzw. dem hiesigen Pfarrer einen Besuch ab und untersagte ihm sämtliche priesterlichen Amtshandlungen. An wirklicher Durchschlagskraft fehlte es dem Bischof indes. Heynack hatte das Glück, dass Kurfürst Friedrich der Weise Vorkehrungen getroffen hatte und dem kirchlichen Vertreter darum – abgesehen von den mahnenden Worten – die Hände gebunden waren. Heynack konnte also weiter wirken und Luthers Ansichten verbreiten.

Und der Reformator selbst? Dieser Frage hatte sich das Projekt „Luther war hier“ zum Anlass des 500. Reformationsjubiläums angenommen und entsprechende Informationen, Überlieferungen und Geschichten über Orte in ganz Sachsen-Anhalt zusammengetragen. Demnach kam Martin Luther tatsächlich nach Bad Schmiedeberg, und zwar am 29. Oktober 1528. Er war Mitglied einer Inspektionskommission, die von Kurfürst Johann gesandt wurde. Ihr Auftrag war breit gefächert: Sie schaute sich die Gebäude und die Finanzlage der Bad Schmiedeberger Kirche an, veranlasste Instandhaltungsmaßnahmen und den Bau eines neuen Friedhofs und richtete einen sogenannten Armenkasten ein für Gelder, die den Bedürftigen zukommen sollten. Aber nicht nur das: Die Kommission um Luther nahm auch Einfluss auf den Schulunterricht, indem sie anordnete, dass die Kinder in Bad Schmiedeberg „Grammatik, Latein und Musik“ lernen sollten. Schließlich legte sie fest, wer bei Verfehlungen der Bürgerinnen und Bürger einzuschreiten hatte: Für Ehebruch oder Trunksucht war demnach der Stadtrat zuständig, bei allen Glaubensverfehlungen sollte die Bestrafung durch den Pfarrer (zu dieser Zeit noch Nikolaus Heynack) erfolgen.

Über den Kommissionsbesuch hinaus gibt es allerdings keinen Beleg für Aktivitäten von Luther in Bad Schmiedeberg. Auch nicht zu einem abendlichen Mahl mit seiner Ehefrau Katharina von Bora und Anhängern seiner Lehre, wie es im Eisenmoorbad auch dieses Jahr am 1. November „nachgespielt“ wird. Aber wer braucht schon einen historisch stichhaltigen Beweis, wenn man für einen Abend mit den Luthers am Tisch sitzen und miterleben kann, wie Käthe ihrem Martin die Leviten liest.

Das Pauschalangebot „Reformationsfest“ des Eisenmoorbades enthält vier Übernachtungen vom 30.10. bis 3.11.2019. Für weitere Informationen besuchen Sie unsere Website oder kontaktieren Sie den Gästeservice unter (03 49 25) 6 30 37.

„Luther war hier“ ist ein Kooperationsprojekt des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt.

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