Was lange währt…

Heute ist es das Herzstück des Eisenmoorbades – aber der Weg bis zur Eröffnung am 1. Mai 1907 war steinig und lang. Ein kurzer Blick in die bewegte Geschichte des Kurhauses von Bad Schmiedeberg.

Repräsentativ sollte es sein, ein gesellschaftlicher Mittelpunkt für die immer zahlreicher erscheinenden Kurgäste. 1890, also zwölf Jahre nach der Gründung des Eisenmoorbades, war der damalige Bürgermeister zwar nicht der erste, der die Idee eines Kurhauses äußerte. Aber Theodor Schniewind unternahm zum ersten Mal konkrete Schritte, um die Idee Realität werden zu lassen. Er hielt die Notwendigkeit eines neu zu errichtenden Kurhauses schriftlich fest und benannte auch die Räumlichkeiten, mit denen der Neubau ausgestattet werden müsste: „Ein Restaurationszimmer, ein Damenzimmer, ein Lesezimmer mit Billard, ein Speisezimmer und ein Saal mit Flügel und Bühne“ sind seiner Meinung nach „das geringste, was heutzutage verlangt werden kann“, wie aus den Stadtakten hervorgeht.

Noch im selben Jahr lag denn auch bereits eine Skizze für den Neubau vor – erstellt von Carl-Albert Später, Baumeister aus Pretzsch. Zur Umsetzung kam es allerdings nicht. Woran das genau lag, lässt sich nicht mehr im Detail nachvollziehen. Klar ist, dass Bürgermeister Schniewind 1894 verstarb. Und dass Später 1898 seinen Anwalt einschalten musste, weil er bis dahin noch keine Vergütung für seinen Entwurf erhalten hatte.

Vielleicht waren es auch die Abgeordneten von Bad Schmiedeberg, die auf die Bremse traten. Zumindest taten sie dies beim zweiten Versuch. Als der neue Bürgermeister Wilhelm Loechel 1898 seinen Vorstoß für ein Neubauprojekt einreichte, wurden zunächst weitere Abklärungen eingefordert. Dann fiel 1901 der Entscheid, statt eines neuen Kurhauses doch das bestehende Logierhaus um einen Saal zu erweitern. Wieder zogen Monate ins Land, ein architektonischer Entwurf wurde ausgearbeitet – um 1902 abgelehnt zu werden. Die Abgeordneten revidierten ihren Beschluss des Vorjahres. Es gab nun also weder einen Erweiterungsbau noch wurden die Pläne für den Neubau wieder aufgenommen.

So feierte Bad Schmiedeberg sein 25-jähriges Jubiläum im Jahr 1903 ohne ein strahlendes neues Kurhaus. Und doch schien die erfolgreiche Jubiläumssaison den Stadtverantwortlichen frischen Wind zu verschaffen. Bürgermeister Loechel unterstrich bei den Abgeordneten einmal mehr, wie unverzichtbar doch ein respektables Kurhaus für einen Ort wie Bad Schmiedeberg sei, um auch der „Nachfrage des besseren Publikums“ gerecht zu werden. Und diesmal war ihm Erfolg beschert. Eine Kommission wurde eingesetzt, um endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Es gab eine Wettbewerbsausschreibung und schließlich erhielt mit Ernst Arthur Hänsch ein Architekt den Zuschlag, der sich – obwohl noch keine 28 Jahre alt – in Leipzig bereits einen Namen gemacht hatte.

Ganz reibungslos ging es dann allerdings doch nicht weiter – das wäre nach der bisherigen Entwicklung wohl auch zu einfach gewesen. Zu Beginn war es Loechel, der dem jungen Architekten nicht so ganz über den Weg traute. Dann beanstandete der Regierungspräsident Freiherr von der Recke aus Merseburg höchstpersönlich den geplanten Turm, der das Kurhaus schmücken und zum Wahrzeichen machen sollte. Hänsch gelang es zwar, den Regierungspräsidenten umzustimmen; der ursprünglich begehbare Turm wurde aber zu einer kleineren Version abgespeckt.

Trotz diesem erneuten Hin und Her starteten am 1. August 1905 endlich die lang ersehnten Bauarbeiten. Ruhe war dem Vorhaben indes selbst jetzt nicht gewährt. Was als eher persönlicher Zwist zwischen Loechel und Hänsch begonnen hatte, ging auf Ebene der Stadt weiter. Die Verantwortlichen von Bad Schmiedeberg und der Architekt lagen sich permanent in den Haaren. Immer wieder wurden seitens der Stadt Änderungen gewünscht, Hänschs fachliche Warnungen in den Wind geschlagen und nicht selten ohne dessen Einbezug direkt bauliche Aufträge erteilt.

So scheint es fast ein Wunder, dass im Spätherbst 1906 die Arbeiten weitestgehend abgeschlossen waren und das lang ersehnte Kurhaus im Frühjahr 1907 tatsächlich die Türen für die Badegäste öffnen konnte. Sichtlich zufrieden zeigte sich Badearzt Dr. Heinrich Schütz: Ob im großen Saal bei Konzerten oder Theateraufführungen, im Musiksalon, Spielzimmer oder Speisesaal – die Gäste würden sich „die Annehmlichkeiten der nun gebotenen Institution gern und dankbar zu Nutze“ machen, hielt er in einem Schreiben fest. Allein die „uneingeschränkt ausgesprochene Anerkennung“ war für ihn Beweis genug, dass die Zeit für ein Kurhaus in Bad Schmiedeberg mehr als reif war.

Weitere Informationen zum Kurhaus und der gesamten Geschichte von Bad Schmiedeberg finden Sie in der von Monika und Klaus Linke verfassten Chronik „Eisenmoorbad – Die Geschichte eines deutschen Heilbades“.

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